Ein historischer Abend in der Meggi
Ein historischer Abend in der Meggi
Die Skurios Volleys feiern gegen den Mitaufsteiger Binder Blaubären TSV Flacht ihren ersten Bundesliga-Sieg und schreiben Vereinsgeschichte
Um 20.20 Uhr war es am Samstagabend soweit: Pia Mohr drückte den Ball über das Netz, er landete auf dem Hallenboden der Mergelsberg Sporthalle – und mit diesem verwandelten Matchball zum 27:25 im dritten Satz begann der Freudentaumel in der Mergelsberg-Sporthalle. Während die Spielerinnen ausgelassen auf dem Spielfeld feierten, jubelten die Fans auf den Tribünen. Der erste Sieg der Skurios Volleys in der 1. Volleyball-Bundesliga war perfekt. Vor 823 Zuschauerinnen und Zuschauern bezwang der Aufsteiger die Binder Blaubären TSV Flacht mit 3:0 (25:18, 25:19, 27:25) und belohnte sich für Wochen intensiver Arbeit mit einem emotionalen, sportlich überzeugenden und historischen Erfolg.
Dabei waren in den Tagen zuvor einige Sorgenfalten auf den Gesichtern der Borkener Verantwortlichen. Die Erkältungswelle erwischte auch einige Borkener Spielerinnen, die dänische Libera Ditte Kjær Hansen fiel am Samstag sogar ganz aus. Für sie sprang Melisa Nafia Demirer von Spielbeginn an ein. Und die Gegnerinnen reisten mit einigen Ambitionen an, schließlich hatten sie zwei Wochen zuvor mit ihrem Sieg gegen die ETV Hamburger Volksbank Volleys aufhorchen lassen. Die Skurios Volleys hingegen wartete noch auf den ersten Erfolg im Oberhaus. Umso bemerkenswerter war die Entschlossenheit, mit der das Team von Trainerin Danuta Brinkmann in diese Partie gingen. Vom ersten Ballwechsel an war zu spüren, dass dieses letzte Spiel des Jahres eine besondere Bedeutung hatte.
Der erste Satz gehörte klar den Gastgeberinnen. Konzentriert, mutig und mit spürbarem Selbstvertrauen startete Borken in die Partie. Eine frühe Serie zum 4:1 setzte das erste Ausrufezeichen. Mit druckvollen Aufschlägen, stabiler Annahme und variablen Angriffen kontrollierten die Skurios Volleys über weite Strecken das Geschehen. Über ein 14:11 und 18:13 wuchs der Borkener Vorsprung kontinuierlich, ohne dass Wechsel oder Auszeiten der Gäste das Borkener Spiel aus dem Rhythmus brachten. Selbst in der Crunchtime, in den letzten Spielen bei den Skurios Volleys nicht unbedingt mit positiven Emotionen besetzt, blieb das Team ruhig und entschlossen und verwandelte den Satzball sicher zum 25:19.
Im zweiten Durchgang entwickelte sich zunächst ein ausgeglicheneres Bild. Flacht kam etwas besser ins Spiel und setzte eigene Akzente, doch Borken spielte wie im ersten Satz sehr souverän. Besonders das Zusammenspiel aus Aufschlagdruck und Block-Feldabwehr brachte die Gäste zunehmend in Schwierigkeiten. Beim 20:17 zog Borken davon, erspielte sich sechs Satzbälle und Außenangreiferin Pia Mohr beendete eine längere Rallye zum verwandelte den Satzball zum 25:18-Endstand. Der erste Punkt des Abends war somit sicher, der Traum vom ersten Bundesliga-Sieg nun greifbar nah.
Nach dem erneuten Seitenwechsel wurde der Satz schließlich zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Borken erwischte einen Traumstart, zog mit einer Fünf-Punkte-Serie auf 11:4 davon und führte später sogar mit 15:7. Doch Flacht gab sich nicht geschlagen. Die Gäste mit ihrem Trainer Manuel Hartmann kämpften sich Punkt für Punkt zurück, nutzten kleinere Schwächen im Borkener Spiel und drehten den Satz sogar kurzzeitig. Es entwickelte sich eine intensive Schlussphase mit langen Ballwechseln, Auszeiten und Satzbällen auf beiden Seiten. Als Flacht beim Stand von 22:22 ausglich, hielt es niemand mehr auf den Plätzen. Beim 24:23 vergaben die Skurios Volleys ihren ersten Matchball, mussten anschließend einen vierten Satz fürchten. Am Ende war es – wie eingangs erwähnt – Pia Mohr, die den Auftritt des starken Borkener Teams mit dem verwandelten Matchball zum 27:25-Endstand krönte.
Unmittelbar nach dem Schlusspunkt lagen sich die Spielerinnen in den Armen, auf den Rängen brandete Jubel auf. Für Borkens Trainerin Danuta Brinkmann war die Erleichterung greifbar. „Endlich“, atmete sie tief durch, „jetzt können wir beruhigt in die Weihnachtspause gehen.“ Sie ordnete den Sieg später auch sportlich ein und benannte klare Gründe für den Erfolg: „Die Annahme war besser, wir haben uns Kombinationen getraut.“ Gleichzeitig richtete sie den Blick bereits nach vorne: „Die Karten werden jetzt neu gemischt. Wir können nach vorne schauen.“
Bei der anschließenden MVP-Ehrung erhielt Marika Loker die goldene Medaille als wertvollste Spielerin der Skurios Volleys. Die 18-Jährige prägte das Spiel mit ihrer Durchschlagskraft und Präsenz und stand sinnbildlich für den mutigen Auftritt des gesamten Teams. Auch sie sprach nach dem Spiel von bewusst genutzten Chancen und einer besonderen Atmosphäre: „Auch die Stimmung war ganz anders, und wir haben durchgehend gut gespielt.“ Der Gedanke an diesen Abend begleitete die Mannschaft bereits im Vorfeld. „Wir wollten uns ein Weihnachtsgeschenk machen. Das hat geklappt“, sagte Loker mit einem Lächeln.
Auf Seiten der Binder Blaubären TSV Flacht wurde Kapitänin Frauke Neuhaus als MVP ausgezeichnet. Trotz ihrer 15 Punkte konnte sie die Niederlage nicht verhindern. Für Borken jedoch überwog an diesem Abend nur eines: das Gefühl, angekommen zu sein. Dieser 3:0-Erfolg war mehr als drei Punkte – er war ein Befreiungsschlag und zugleich ein historischer Moment in der Geschichte der Skurios Volleys.
Fotos vom Spiel gegen die Binder Blaubären TSV Flacht gibt es hier.
Text und Foto: Thomas Hacker