Block für Block Richtung 1. Liga
Block für Block Richtung 1. Liga
Schritt für Schritt – oder im Fall von Sandra Hövels besser: Block für Block erfüllte sich für die Rheinenserin der Traum von der 1. Volleyball-Bundesliga.
Ihre ersten volleyballerischen Gehversuche machte Hövels mit acht Jahren beim TV Jahn Rheine. Früh fiel ihr Talent auf, Trainerinnen wie Karla Middendorf und Günter Rohe führten sie durch die Jugendteams immer weiter nach oben.
Mit zwölf Jahren wechselte sie zum USC Münster, wo sich die Mittelblockerin über die 5. Damenmannschaft bis in die 2. Bundesliga hocharbeitete. Bereits als 16-Jährige sammelte sie dort erste Einsätze. Und zeigte auch persönlichen Einsatz: Vier mal in der Woche fuhr sie mit dem Zug zum Training am Berg Fidel. „Als Mittelblockerin wehre ich die gegnerischen Angriffe vorne am Netz ab“, erklärt sie ihren Job, bei dem eine gute Sprungkraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit gefragt sind.
Nach dem Abitur am Gymnasium Dionysianum zog es die 1,82 Meter große Rheinenserin in die USA. Am Daytona State College in Florida erhielt sie ein Volleyball-Stipendium. An der Indiana Universität Fort Wayne schloss sie ihren Bachelor in Psychologie ab. „Dort wirst du als Athletin ganz anders wahrgenommen. Training, Uni, Physio – alles war perfekt aufeinander abgestimmt“, erinnert sich Hövels. Teils mit dem Flugzeug ging es zu Volleyballspielen in den Mittleren Westen, nach Nord- und Süd-Dakota. „Die Jahre in den Staaten haben mich vor allem persönlich nach vorne gebracht. Da habe ich gemerkt: Hey, du kannst was!“, blickt Hövels auf ihren Aufenthalt in den USA zurück.
Ende 2019 ging es mit dem Bachelor-Abschluss in der Tasche nach Deutschland zurück. Im Oktober 2020 folgte in Oldenburg der Masterabschluss in Neurokognitiver Psychologie. Sportlich verschlug es sie zum SC Spelle-Venhaus (Regionalliga) und VfL Oythe (2. Bundesliga). Seit Januar 2023 spielt sie für die Skurios Volleys Borken. Mit dem Team gelang zunächst der Aufstieg in die neu geschaffene 2. Bundesliga Pro – in der abgelaufenen Saison folgte der der Sprung ins Oberhaus als Blockaufstieg mit den Mannschaften aus Hamburg und Flacht. „Der Unterschied von der 2. Bundesliga pro zur 1. Liga ist enorm, sportlich wie auch wirtschaftlich. Aber wir wollen uns dort etablieren“, sagt Hövels.
Dreimal pro Woche trainiert Hövels in der Halle, dazu kommen Krafteinheiten und Spiele am Wochenende. Daneben arbeitet sie in einer psychosomatischen Rehaklinik in Tecklenburg und absolviert die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin. „Es ist nicht leicht, Arbeit, Freunde, Familie und Bundesliga unter einen Hut zu bringen. Aber solange ich körperlich und mental fit bin, lebe ich diesen Traum.“
Am 12. Oktober startet sie mit Borken gegen Suhl in die Saison. Ziel sei es, mit Borken im unteren Mittelfeld der Zwölferliga zu landen. „Wir können nicht absteigen – und wollen von den Aufsteigern die beste Mannschaft sein“, gibt sie als Ziel an. Bis zu 1000 Zuschauern unterstützen die Volleyballerinnen in der heimischen Mergelsberg-Sporthalle.
Noch mehr Zuschauer werden beim Gastspiel der Borkernerinnen beim USC Münster am 28. November erwartet. Die Partie in der Sporthalle am Berg Fidel ist für Sandra Hövels natürlich das Saison-Highlight. „Als ich damals in Rheine anfing, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal Bundesliga spielen würde. Ich wollte einfach immer nur den nächsten Schritt gehen. Und bisher hat es sich immer weiterentwickelt.“
Wenn sie nicht auf dem Feld steht, reist sie gerne, wandert, schwimmt oder verbringt Zeit mit Freunden und Familie – gerne mit Gesellschaftsspielen.
Ihr bisheriger Karriereweg ist um so bemerkenswerter, da sie nie in einen Landes- oder Nationalkader berufen wurde. Die Psychologin sieht sich selbst als gutes Beispiel, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Und wer weiß, vielleicht klingelt ja doch eines Tages noch ihr Handy und es meldet sich Giulio Cesare Bregoli, der Cheftrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Ganz nach ihrem Motto: Schritt für Schritt nach oben.
Text: Kai Lübbers (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Münsterländischen Volkszeitung)
Fotos: Thomas Hacker